Roulette – amerikanischer Art

September 28th, 2009

Wer sein gesamtes Leben lang in Europa verbracht hat, wird sich unter Roulette stets die elegante französische Variante vorstellen. Das Zahlentableau ist jedem gemeinhin bekannt, ebenso die üblichen Regeln – und das im Wesentlichen aus dem Grund, das französisches Roulette in der Kulturgeschichte Europas, in seiner Kunst und Literatur ein wichtiges gesellschaftliches Element eingenommen hat. Die amerikanische Roulettevariante wird dagegen immer ein wenig abschätzig beäugt. Diese Abwertung hat American Roulette jedoch nicht unbedingt verdient. Ganz im Gegenteil, es hat nicht nur seine kulturelle Berechtigung, sondern birgt auch ungemeine Vorteile für entnervte Roulettespieler in sich, die im Durcheinander an Setzmöglichkeiten und Wahrscheinlichkeitsberechnungen einfach keinen Durchblick finden.

Amerikanisches Roulette wird zunächst nämlich mit einem viel rascheren Tempo gespielt. Das Spielfeld ist einfacher und übersichtlicher gestaltet, wobei es sich in einen inneren und einen äußeren Kreis einteilen lässt. Es gibt grundsätzlich nur acht Möglichkeiten, sein Geld zu platzieren: als straight bezeichnet man das einfache Setzen auf eine Zahl einschließlich der Null im inneren Zirkel. Ein split dagegen beschreibt das Überlappen zweier benachbarter Zahlen mit einem Spielchip. Auch das Bauen ganzer Straßen ist beim American Roulette möglich. Hierzu muss man seinen Spielchip lediglich an den Kreuzungspunkten dreier Zahlen platzieren und kann so seine Chancen auf einen lukrativen Gewinn beträchtlich erhöhen. Wer seine Jetons jedoch bis auf die äußere Kreuzungslinie zweier Zahlen verschiebt, sollte sich dabei bewusst sein, dass er sogar auf zwei komplette Querreihen – insgesamt also auf sechs Zahlen setzt.

Das Risiko im inneren Zirkel zu verlieren ist immer erheblich größer als das, welches beim Setzen auf die äußeren Felder (Rennbahn) entsteht. Hier ist es entweder möglich auf 12er Längs- oder Quergruppen zu setzen. Darüber hinaus gibt es die ebenso aus dem französischen Roulette bekannten 50%-Felder, welche Schwarz/Rot, Gerade/Ungerade oder hohe und niedrige Wertigkeiten unterscheiden. Einen wichtigen Unterschied gibt es beim American Roulette bezüglich der Null. Diese ist nämlich anders als bei der klassischen Variante gleich doppelt vorhanden. Bei der Doppel-Zero fallen alle Einsätze der Bank zu, bei der einfachen Null lediglich die Hälfte dieser – dies stellt einen wesentlich größeren Bankvorteil als in Europa dar. Die Höhe der Einsätze ist übrigens selbst von jedem Spieler bestimmbar. Gespielt wird nämlich mit American Chips. Das heißt, dass jeder Spieler eine Farbe zugeteilt bekommt und die Wertigkeit der jeweiligen Jetons selber bestimmen kann. So kann es nie zu Verwechslungen zwischen einzelnen Rouletteteilnehmern kommen, was angesichts des üblichen Jetonwirrwarrs ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Allein durch diese Verfahrensweise beschleunigt sich das Roulette um ein Vielfaches. Diese neu gewonnene Dynamik kann dem Spiel keinesfalls schaden – weder auf Seiten der Spieler, noch auf Seiten des Croupiers.

Roulette und die Geschichte seiner Eleganz

September 28th, 2009

Roulette ist heutzutage eines der Aushängeschilder der französischen Glücksspielkultur – Tradition und Eleganz des Spiels, Stil und Lukrativität liegen ihm zugrunde. Große Männer verfielen seinem Reiz…wie Russlands Schicksalsautor Fjodor Dostojewski, der in den rheinischen Casinos sein Reisebudget verspielte, den Spieler schrieb: eine Hommage, ein Erfahrungsbericht, eine Tragik in sich selbst. Und warum das alles? Weil das Spiel seinen Charme hat – und seine ganz eigene Geschichte.

Ob das kleine Rad – das roue-lette – tatsächlich aus Frankreich stammt, ist kaum bewiesen. Historische Linien sollen auf chinesische Kaiserdynastien zeigen oder auf die Römerzeit oder auf das toskanische Renaissance-Italien: was Sinn macht, denn das Glücksrad, das Rad der Fortuna, welches sowohl die Reichtümer des Füllhorns seiner Besitzerin ausschüttete, als auch unsägliches Unheil bringen konnte, war ein Gemeingut des spätmittelalterlichen Italiens. Frankreich als aufstrebende Macht der Renaissanceperiode übernahm das Spiel vermutlich – und dann kam Pascal: der berühmte Mathematiker beschäftigte sich im 17. Jahrhundert intensiv mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung und entwickelte vermutlich zur Beweiserbringung das Roulette in heute bekannter Form – abzüglich der Online-Avatare und der WWWs, versteht sich. 36 Felder, abwechselnd rot und weiß, eine Metallkugel, Jetons und Setzfelder. Ein Croupier am längeren Hebel – so wurde das Spiel bekannt und bestimmte insbesondere die französische Casinoszene im 18. und 19. Jahrhundert. Die Aristokratie vergnügte sich in Spiegelsälen an dem eigentümlichen Wahrscheinlichkeitsspiel. Die unglücklichen Bohêmes ja sowieso – und von Bad Homburg bis Monte Carlo machte man bald Umsätze in Millionenhöhe. Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter des zweifarbigen Rades + 0. Französisches Roulette, Amerikanisches Roulette, Englisches Roulett…letztlich Russisches Roulette – die Varianten wurden vielfältig, bisweilen riskant…

…und während die russischen Soldaten im ersten Weltkrieg mit einer anderen, der letztgenannten Art von Glücksrad die Kugeln anscheinend nicht nur auf demselbigen platzierten, galoppierte das reguläre Roulette auch im 20. Jahrhundert weiter auf der Erfolgsspur: die 20er mit ihrer Avantgarde, die 50er mit Monroe und Capote waren Blütezeiten in der Szene und seitdem wir nun die digitalen Hilfsmittel in unseren Haushalten haben, nicht mehr Straßen über Straßen überqueren müssen, um Jetons zu platzieren, floriert erneut das Geschäft mit dem Rädchen – mehr denn je. Roulette ist auch im digitalen Kosmos eines der beliebtesten Spiele, das der Spieler spielen kann: prinzipiell ist dabei alles gleich geblieben, lediglich der Croupier bleibt all dem Onlinegeschehen fern. Das Rad jedoch, es dreht sich. Die Kugel fällt, Schluss und Aus: Rien ne va plus!

Clicky Web Analytics